Reine geschmackssache

Wer schon einmal eine reise nach Schottland gemacht hat, der wird sich gewundert haben, dass es dort normal ist, whisky als aperitif zu genieben. Meistens geschieht das mit etwas wasser verdünnt. wie auch immer, zu einem milden blend vor dem menuü sagen feinschmecker nur ungern nein

Zwar sind diese härteren Aperitifs hierzulande auch nicht unbekannt, aber dennoch äußerst selten - zum Bedauern vieler Fans des Getreidebrandes. In unseren Breitengraden und am Mittelmeer bevorzugen die Aperitif-Freunde doch eher alkoholärmere Spirituosen - und natürlich Wein. Wenn heute jemand beim Stichwort „Aperitif“ nach einem Synonym gefragt wird, antworten neun von zehn Befragten: „Campari“. In der Tat: Der Rote aus Mailand ist die unumstrittene Nummer Eins bei den alkoholischen Appetitanregern. Pur auf Eis ist er vielen Genießern zu bitter, einige allerdings bevorzugen gerade diesen leicht bitteren Geschmack. Der bleibt in der wohl am meisten getrunkenen Version, dem „Campari-Soda“, am besten erhalten. „Campari-Orange“ ist da schon etwas süßer - und wenn es an die Mixgetränke mit dem roten Renner geht, steht sicherlich ein „Americano“ ganz oben. Dafür werden Campari und roter Vermouth zu gleichen Teilen auf Eis im Aperitif-Glas serviert; die etwas härtere Version, der „Negroni“, besteht aus 2cl Campari, 2cl Vermouth rosso und 2cl Gin. Wenn der Drink dann noch im Aperitifglas mit Zitronenschale abgespritzt wird, versteckt er seine Promille und ist damit umso gefährlicher aber auch entsprechend delikat. Zwei Versionen verdienen es, noch erwähnt zu werden: Charles Schumann‘s „Shakerato“ - dabei werden Campari und ein paar Tropfen Zitronensaft im Shaker kräftig geschüttelt und entweder in ein gekühltes Aperitifglas oder in eine Cocktailschale abgeseiht - ein sensationell frischer Aperitif.