Berliner Superlativ mehr als ein Bahnhof
Di Heinz Alstede - Versione integrale dell'articolo su Business Gastro-Trends 4 (12 2007)

Bahnhöfe sind wundersame Kulturgüter. Das ist bekannt. Dass sie aber auch Orte zum Shoppen und Schlemmen sein können, ist dagegen noch relativ neu. Im Berliner Hauptbahnhof erlebt man, wie es gemacht wird
Mit Euros und Elan hat sich Berlin nach zehnjähriger Bauzeit Ende Mai letzten Jahres fast genau an die Stelle des alten Lehrterbahnhofs eine architektonische Superlative als Hauptbahnhof in die Stadt gestellt. Entstanden ist dabei ein eigenes Universum aus Glas und Stahl, in dem neben der Funktion als Bahnhof auf drei Ebenen bei 70.000 qm Gesamtfläche 15.000 qm an reinen Einkaufsflächen für Handel und Gastronomie zum Shoppen und Schlemmen entstanden sind. 23 Prozent der Gesamtfläche belegt die Gastronomie.
Mit dem Hauptbahnhof hat Berlin sein neues Shoppingcenter bekommen, in dem sich die fast 4 Mio. Einwohner der Hauptstadt und jährlich 13 Mio. Berlin-Touristen auch außerhalb der normalen Ladenöffnungszeiten versorgen können. Dieser Mikrokosmos arbeitet an sieben Tagen in der Woche teilweise von 5:30 Uhr bis nach Mitternacht. Die Züge fahren im 90-Sekundentakt - ein Hochfrequenzstandort, der täglich bis zu 300.000 Reisende und Besucher zu verkraften hat, die gleichzeitig das Kundenpotential für die Modeshops und Schlemmerrestaurants stellen.
“Was heißt hier Bahnhof?”, fragt ein junge Typ in Jeans und teurer Lederjacke, der im 1. Obergeschoss an der Theke von Diekmanns Austernbar sitzt. Er sagt, er sei mit seiner Freundin aus dem Regierungsviertel auf der anderen Spreeseite auf einen Sprung herüber gekommen, um mit seiner Begleiterin ein Dutzend Austern zu probieren. Für ihn sei der Bahnhof kein Bahnhof, sondern ein luxuriöses Schlemmerlokal. In der Tat bringen die bretonischen Schalentiere einen Hauch von Luxus auf Diekmanns Speisekarte. Austern machen bekanntlich glücklich, und wer im Trubel des Hauptbahnhofs Zeit findet, genießt sie mit einem Glas Champagner. Der Rest ergibt sich. Nicht umsonst gilt die Austernbar im Hauptbahnhof inzwischen als eines der persönlichsten Restaurants der Stadt.
